Blues Bar Night mit Gary White im KKT-Foyer

Blues Bar Night mit Gary White im Foyer des Königlichen Kurtheaters in Bad Wildbad

garywhiteIn New Orleans geboren, wuchs Gary White von Musik umgeben auf. Durch diese musikalische Umgebung wurde er ständig von Jazz über Soul bis hin zu Country und Blues inspiriert. Er hat die Musik verinnerlicht und setzt sie auf seine einmalige Art um. Er ist Sänger, schreibt Songs und beherrscht die unterschiedlichsten Instrumente. Gary White hat mit vielen Größen des Musikgeschäftes wie B.B. King zusammengearbeitet, ist professioneller Musiker aus Louisiana und eine Legende des Blues. Er und seine Gitarre sind ein Duo das schon viele Jahre zusammengehört. Seine variationsreiche Stimme und die Gitarre bilden auf der Bühne eine Einheit. Auch am Mittwoch hat er mit seinen Variationen bekannter Titel, die er ideenreich in verschiedenen Musikrichtungen wie Blues, Reggae usw. interpretiert, aber auch mit selbst geschriebenen Texten und Melodien aus seinem großen Repertoire 4 Stunden lang das Publikum begeistert. Mit eigenen, sanften, gefühlvollen Titeln wie „I`m in Love with ya Baby“ mit denen er aus seiner Lebensgeschichte erzählt, sowie bekannten Bluestiteln die das Publikum zum Mitsingen anregten, zog er alle in seinen Bann.

Gary White lebt zwar im Enzkreis, ist jedoch nur noch selten hier zu hören, so dass auch Zuhörer und Fans aus der weiteren Umgebung anreisten um seine Art des Blues zu hören. Es war für alle ein unvergesslicher Abend.

„Schwäbische Erotik“ im Königlichen Kurtheater Bad Wildbad

„Schwäbische Erotik“ im Königlichen Kurtheater Bad Wildbad

Kabarett von Christine M.

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Heiß ging es her am letzten Freitag im KKT als Christiane Maschajechi die bei Ihren selbst getexteten Liedern von Alexander Wernick ,der die Testosteronquote auf der Bühne erhöhen sollte, am Flügel begleitet wurde. Mit Ihrem neuen Programm: „Kocht han i nix – aber guck wie i do lieg“, hielt sie dem Publikum einen Spiegel vor.

Hefezopfverteilend begrüßte Christine M. als ältere Dame Brigitte Wiebele die einige vielleicht aus der Fernsehserie „Mei Ländle – unterwegs mit Brigitte Wiebele“ kennen das Publikum und singt ein Loblied auf Hefezopf, Schwarzbrot und Schwarzwälder Kirschtorte.

Zu dem Song „You can leave your hut on“ von Joe Cocker verwandelt sie sich in die erotische Christine, Botschafterin der schwäbischen Erotik.

Dann folgte Thema auf Thema. Die „Caschtingtour“ in unserer schnelllebigen Zeit als Speeddating – Kennenlernen im Sekundentakt, wo Schluss gemacht wird bevor man sich überhaupt kennenlernt. Die Erotik des Bausparvertrages: „zum Lachen geht der Schwabe in den Keller, ein Gang zur Bank zaubert ein Lächeln auf sein Gesicht, wir sind Entenklemmer, das ist der Glamour des Schwaben“. Beim Tipp sich einen Mann mit Vitamin B (Bier, Ballsport, Brüschte oder einen Benz) zu angeln, ging es um die Hobbies der Männer.

Wie sagt der Schwabe eigentlich „Ich liebe Dich“? „Magsch mi oder net“, oder kürzer „wie isches“. In diesem Dialekt und Wortwitz erkennen wir das köstliche, herzzerreißend ehrliche und der eine oder andere erkannte sich sogar ein wenig wieder mit seinen Schwächen und geheimen Wünschen. Schnell wird klar: Erotik, des braucht koiner, aber ohne isch älles nix.

Bauchspeck und Schokolade als Frustschutz, und die vielseitige Verwendung von Aphrodisiaka waren noch Themen nach der Pause. Christine Maschajechi ist Nachrichtensprecherin beim SWR 2, Stimme bei Arte und in vielen Hörspielen. Mit lebhafter Gestik und Körpersprache fesselt sie Ihre Zuschauer. Sie schreibt alle ihre Texte und Lieder selbst. Das Publikum im fast ausverkauften Kurtheater war begeistert.

So ging ein amüsanter Abend zu ende mit der schwäbischen Weisheit: Wenn i wellt wie i könnt no dät i ned wie i muss. Woisch jetzt was i moin?

Swinging Mallets mit Roland Härdtner – ein außergewöhnliches Konzert im KKT

Swinging Mallets mit Roland Härdtner – ein außergewöhnliches Konzert im KKT

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Roland Härdtners unglaubliche Kunstfertigkeit mit seinen Mallets auf Marimba und Vibraphon umzugehen erstaunt immer wieder. Gemeinsam als Quartett mit Boris Ritter am Flügel, Klaus Dusek am Bass und Lars Binder am Schlagzeug begeistern die Musiker das Publikum im Königlichen Kurtheater.

Im ersten Teil des Konzerts fasziniert Roland Härdtner mit seinen Bach- Interpretationen und 3 Sätzen aus den Bolling – Suiten. Claude Bolling, nicht so bekannt wie Johann Sebastian Bach, geboren 1930 war Jazzmusiker, Komponist und Musikproduzent. Man frägt sich, passen J.S. Bach, Vibraphon und Marimba überhaupt zusammen, jedoch das Arrangement von Roland Härdtner und seine Auseinandersetzung mit dem musikalischen Werk von J.S. Bach passte sich an diese Mischung aus klassischen und verjazzten Interpretationen des Bachschen Werkes an. Mit seinen Arrangement „Swinging Mallets play Bach“ versteht er es den Alten Meister und den modernen Jazz zusammenzuführen, wobei jedoch Melodien und Klangharmonien zu erkennen bleiben. Seine Bearbeitung klassischer Werke für Marimba und Vibraphon ist weltweit einzigartig. Er spielt abwechselnd auf beiden Instrumenten und vereint somit den hölzernen Klang der Marimba mit dem metallisch hellen Klang des Vibraphons. Es ist ein unsagbares Vergnügen Roland Härdtner mit seiner Mimik und dem Ganzkörpereinsatz zuzusehen, wie er zwischen seinen Instrumenten wechselt und virtuos mit bis zu 4 Mallets gleichzeitig seine Instrumente sanft streichelt oder kraftvoll hämmert. Zitat: „Ich habe eine sportliche Einstellung zu meinem Beruf und spiele immer mit vollem Körpereinsatz.“ Deswegen hat er auf der Bühne immer ein Handtuch dabei, sein Markenzeichen.

Nach der Pause spielte das Quartett ein Medley aus den letzten 20 Jahren des umfangreichen Repertoires von Roland Härdtner. Klassische Stücke wie der Ungarischer Tanz Nr. 5 von Johannes Brahms, „Spain“ ein Titel von Chick Corea, ein spanischer Walzer von Auguste Durand und seine eigene Interpretation der „Carmen Suite“ von George Bizet. Jedes Stück ist ein Unikat mit eigener Note und Rhythmus.

Nach zwei Zugaben, den „Erinnerungen an den Zirkus Renz“ von Gustav Peter und „Ronjas Tanz“ von Wolfgang Schüter spendete das begeisterte Publikum viel Applaus und stehende Ovationen. Roland Härdtner ein Unikum aus Pforzheim, der mit seinen phantastischen Musikern das Publikum begeisterte. Dies war das letzte Konzert für 2016, da er an einem neuen, umfangreichen Projekt mit dem Südwestdeutschen Kammerorchester arbeitet. Wir lassen uns überraschen, es wird sicher wieder einzigartig.

Die schöne Müllerin“ von Franz Schubert – Benefizkonzert

Die schöne Müllerin“ von Franz Schubert – ein Benefizkonzert im Königlichen Kurtheater

Die beiden Bad Wildbader Künstler Andrea Strittmatter und Arnold Rauland gaben am vergangenen Samstag ihr 2. Benefizkonzert zugunsten der Erhaltung des Königlichen Kurtheaters. Im November 2015 spielten sie im Forum König-Karls-Bad den  Liederzyklus „Die Winterreise“ von Franz Schubert. Nun folgte „Die schöne Müllerin“ im Königlichen Kurtheater, direkt neben der rauschenden Enz. Trotz wechselhaftem Wetter und Europameisterschaft fanden sich viele Zuhörer ein, um sich von Schuberts Musik verzaubern zu lassen. Der Liederzyklus für Gesang und Klavier von Franz Schubert mit Texten von Wilhelm Müller basiert auf einer Gedichtsammlung aus biographischen Quellen eines reisenden Waldhornisten. Ein Müllergeselle auf Wanderschaft folgt dem Lauf eines kleinen Baches, es könnte die Enz sein, und trifft auf eine Mühle. Er verliebt sich in die Tochter des Müllers. Die ersten Lieder des Zyklus sind von Leichtigkeit und Freude, wie das Rauschen des Bächleins, mit schneller Klavierbegleitung. Die angestrebte Liebesbeziehung zu der unerreichbaren Müllerin scheitert, sie wendet sich einem Jäger zu. Mit zunehmender Krisenhaftigkeit wechselt die Melodie in Moll. Angst, Verzagtheit bis zur Depression und Suizidgedanken machen sich in den Texten breit. Schließlich gab der Müllergeselle seinen Kampf gegen den Konkurrenten auf. Diese unerfüllte Liebe wurde von den beiden Künstlern hervorragend interpretiert. Dem Tenor Arnold Rauland gelang es auf einzigartige Weise die Aussage des Textes mit dem Flair des Kurtheaters, neben der rauschenden Enz, zu verbinden.Seine Begleitung am Flügel, Andrea Strittmatter verstand es sehr gut, ihn mit Ihrem Können zu unterstützen, was am Ende durch den Beifall der Zuhörer zu erkennen war. So fügten sich die Künstler mit Ihrer Darbietung und der Charakter des Stückes hervorragend in das Ambiete des Kurtheaters ein.

Die Pianistin Andrea Strittmatter hat sich sehr früh mit dem Werk von Franz Schubert beschäftigt. Sie unterrichtete mehrere Jahre an der Musikschule in Mössingen, bevor sie in Bad Wildbad ansässig wurde. Mit dem Tenor Arnold Rauland, Förster und Jäger aus Calmbach, der seine stimmliche Ausbildung in der Kantorei in Altensteig erhielt, und seit damals regelmäßig konzertiert, gab sie schon mehrere Konzerte.

Die zahlreichen Spenden der begeisterten Zuhörer wurden von den Künstlern ganz dem Erhalt des Königlichen Kurtheaters zu Verfügung gestellt. Wir danken den Künstlern Andrea Strittmatter und Arnold Rauland und den zahlreichen Spendern.

KÄCHELES: Mundart-Kabarett vom Feinsten

Bad Wildbad Mundart-Kabarett vom Feinsten

Von Götz Bechtle 12.08.2016 – 13:16 Uhr

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Die „Kächeles“ (Ute Landenberger und Michael Willkommen) gastierten überaus erfolgreich auf Schwäbisch im Königlichen Kurtheater Wildbad. Foto: Bechtle Foto: Schwarzwälder-Bote

Bad Wildbad. Es gab sie tatsächlich, Tempotaschentücher im Königlichen Kurtheater in Bad Wildbad. Der Grund dafür: zum Trocknen von Lachtränen. Zu Besuch waren die „Kächeles“, ein über die Grenzen von Baden-Württemberg hinaus bekanntes Mundart-Kabarett. Und zwar vom Feinsten.

Auf dem Programm stand der Irrgarten eines schwäbischen Ehelebens – und dies war es dann auch. Ute Ladenberger als Ehefrau Käthe und Michael Willkommen als Karl Eugen schafften es mühelos, mit meisterhafter Mimik und komödiantischem Talent dem Publikum Lachsalven zu entlocken. Unverfälschter schwäbischer Dialekt, dazu deftiger Wortwitz, ließen knitze Ehesituationen aufkommen, die es in sich hatten.

Karl Eugen, in kurzer Hose, Birkenstocksandalen, heraushängendem Hemd und Hosenträgern, dazu schwergewichtig, war durch nichts aus der Ruhe zu bringen. Er bediente alle Klischees eines behäbigen Schwaben. Käthe hingegen präsentierte sich einmal im unverzichtbaren Kittelschurz, in einer anderen Szene jedoch als kecke Dame mit Hut.

Auch deftiges Vokabular

Das „Ehepaar Kächele“ als Kabarett-Duo blieb sich im Wortwechsel wahrlich nichts schuldig. Wo leisere Töne nicht reichten, wurde ein deftiges Vokabular aufgefahren – auch zum Thema Sex. Mit Komik, Witz und Charme versuchte Käthe Kächele ihren Karl-Eugen zu animieren, das Eheleben wieder neu zu beleben. Ein Abend leichter Unterhaltung, geeignet um die Urlaubslaune zu steigern, amüsierte die Besucher im voll besetzten Kurtheater aufs Beste.

Michael Käppler, Vorsitzender des Fördervereins Kur­theater, nutzte die Gelegenheit, dem Publikum den erst kürzlich angebrachten Theatervorhang vorzustellen, der aus Mitteln von Toto Lotto gesponsert wurde. Käppler sagte, dass man bemüht sei, mit einem überaus unterschiedlichen Spielangebot einen großen Publikumskreis zu erreichen. Dies scheint dem Förderverein auch zu gelingen, wenn man einen Blick auf das Programm von August bis September wirft. Auftreten werden unter anderem die Dresdner Salondamen, das Südwestdeutsche Kammerorchester, Ulrich Kienzle, Uli Keuler sowie Mond.Line mit sinnlichem deutschen Acoustic-Pop. Bunter kann die Mischung kaum sein.

Wieder strahlende Gesichter dank des Schecks

Wieder strahlende Gesichter dank des Schecks

Von Götz Bechtle  06.08.2016 – 13:34 Uhr
 
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Übergabe des Schecks durch Marion Caspers-Merk an Thomas Käppler (links) und Eckhard Peterson. Foto: Bechtle Foto: Schwarzwälder-Bote

Bad Wildbad. Große Freude herrschte im Königlichen Kurtheater in Bad Wildbad. Für den seit wenigen Tagen neu installierten Bühnenvorhang überreichte Lotto-Geschäftsführerin und Beiratsmitglied Marion Caspers-Merk dem Förderverein Kurtheater einen symbolischen Stiftungsscheck über 15 000 Euro von der Glücksspirale Baden-Württemberg.

Insgesamt, so Caspers-Merk, habe Lotto Baden-Württemberg seit 2000 in verschiedenen Tranchen für die Restaurierung des Kurtheaters rund 800 000 Euro gesponsert. Letztmals 250 000 Euro im Jahr 2012 für Bühne, Zuschauerraum und Foyer.

Übers ganze Gesicht strahlten Thomas Käppler, Vorsitzender des Fördervereins Kurtheater, und Ehrenvorsitzender Eckhard Peterson. „Jetzt ist es ein richtiges Theater“, meinte Caspers-Merk, schließlich müsse eine Theaterbühne einen richtigen Vorhang haben. „Die 15 000 Euro sind ein Zeichen der Unterstützung und der Würdigung der kulturellen Vielfalt im Land“, so Caspers-Merk. Sie unterstrich dabei, dass die Allgemeinheit der große Gewinner der staatlichen Lotterien sei. Sowohl Käppler als auch Peterson bedankten sich für die langjährige Unterstützung bei der Renovierung des Kurtheaters, das jetzt voll bespielbar ist – allerdings wie früher nur in der wärmeren Jahreszeit, da keine Heizungsanlage vorhanden ist.

Seitliche Schals

Caspers-Merk erläuterte, dass die Hälfte der Einnahmen durch die Lottospieler den erfolgreichen Spielern zugutekomme, die andere Hälfte jedoch für Soziales (elf Prozent), Denkmalpflege (19 Prozent), Kunst und Kultur (25 Prozent) sowie Sport (45 Prozent) ausgegeben werde.

Wer bislang das Theater besuchte, stellte fest, dass zwar rechts und links der Bühne ein Stück eines Bühnenvorhangs zu sehen war, so Peterson, es sich aber lediglich um zwei seitliche Schals handelte. Denn nach dem Zweiten Weltkrieg wurde der größte Teil des damals rund 50 Jahre alten Vorhangs abgetrennt, um daraus in den extrem kalten Wintern Kleidungsstücke für Bedürftige zu schneidern. Lediglich die Draperie im oberen Bereich sowie die beiden Schals blieben erhalten.

Der neue goldfarbene Bühnenvorhang wurde in der Firma Gerriets in Umkirch bei Freiburg gefertigt.

Gerriets Vorhänge findet man unter anderem in der Metropolitan Opera in New York, im Bolschoi-Theater in Moskau, in der Dresdner Semperoper und im Royal Opera House in London ebenso wie auf der Showbühne des Kreuzfahrtschiffs Queen Mary 2 – und jetzt natürlich im König­lichen Kurtheater Wildbad.

Nach Rückfrage bei Holger Hoefflin, Teamleiter Verkauf bei Gerriets, besteht der rund 100 Quadratmeter große und 60 Kilogramm schwere Vorhang aus schwer entflammbarem Baumwollvelours und wird entsprechend den Vorschriften des Denkmalschutzes nicht mit einem Elektromotor bewegt, sondern wie früher mit einem Hanfseil per Handzug.

Überdeckung fehlt noch

Das Königliche Kurtheater besticht durch den Charme seiner Architektur, in der sich Stilelemente der Renaissance und des Barock mischen – der neue Vorhang ergänzt dies aufs Beste. Allerdings, so Käppler, fehle noch eine mobile Überdeckung des Orchestergrabens, die rund 10 000 Euro kostet und eventuell im kommenden Jahr entstehen soll. Schließlich gebe es im Kurtheater mehr Schauspiele als Opern. Auch eine Tonanlage für rund 15 000 bis 20 000 Euro fehle noch.

Auch nach dem Rossini-Festival gibt es ein Programm (www.kurtheater.com) mit Kabarett, Dresdner Salondamen, Theater (Kleine Eheverbrechen), dem Journalisten, Publizisten und Nahostexperten Ulrich Kienzle, dem Kabarettisten, Satiriker und Autor Uli Keuler sowie dem Südwestdeutschen Kammerorchester.

Käppler erinnerte in seinen Dankesworten an bekannte Schauspieler ihrer Zeit wie Fritzi Blum, Frieda Großmüller, Georg Jacobi oder Willy Reichert, die alle auf der Kurtheaterbühne auftraten. Und vor allem an den Intendanzrat und langjährigen Theaterdirektor Peter Liebig, dessen Name heute noch an einem Brunnen, einem Gedenkstein und einem Weg auf dem Sommerberg sowie seinem Grabstein auf dem Uhlandfriedhof zu finden ist.

Große Desillusion

Große Desillusion

Von Götz Bechtle16.09.2016 – 11:19 Uhr

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Bad Wildbad. Éric Emmanuel Schmitt hat neben Büchern auch verschiedene Theaterstücke geschrieben, so „Kleine Eheverbrechen“, das jetzt im Königlichen Kurtheater Wildbad über die Bühne ging.

 

Produziert und inszeniert wurde dieses sowohl ironisch wirkende als auch sehr nachdenklich machende Schauspiel vom Regionentheater aus dem schwarzen Wald Simmersfeld. Die beiden Produzenten Andreas Jendrusch und Birgit Heintel sind bereits mehrfach im Kurtheater aufgetreten, diesmal führte Jendrusch Regie, während Heintel die Produktionsleitung innehatte.

Ein Lehrstück

Grundsätzlich muss man sich bei „Kleine Eheverbrechen“ die Frage stellen: Wie funktioniert eigentlich Ehe? Und da gibt es natürlich viele Antworten, aber welche ist richtig? So gesehen ist „Kleine Eheverbrechen“ ein Lehrstück, welche Probleme in einer Ehe auftauchen. Die Frage bleibt: Wie kann man diese Probleme lösen?

 

Die 2003 in Paris uraufgeführte schwarze Komödie, eigentlich ein Krimi, erzählt die Geschichte einer 15-jährigen Ehe zwischen Lisa und dem Krimiautor Gilles. Er hatte zu Hause einen mysteriösen Unfall und dadurch sein Gedächtnis verloren.

Gegenseitige Lügen

Nach der Rückkehr aus dem Krankenhaus versucht Gilles, in sein früheres Leben zurückzufinden, hegt jedoch den Argwohn, dass Lisa diesen Neuanfang bewusst beeinflussen will. Sozusagen das gemeinsame Vorleben und Gilles neue Erinnerungen so darzustellen und umzuformen, wie sie ihn sich wünscht. Ist dies dann Liebe? Gilles meint dazu: „Ich hätte mich gerne mal kennengelernt“, denn er findet es schrecklich, sich nicht zu erinnern und befürchtet, dass Lisa ihm eine andere Vergangenheit aufzwingen will.

Außerdem stellt er fest, dass Lisa Alkoholikerin ist und vermutet, dass sie versuchte, ihn zu töten. Seine Logik: „Wenn sich bei einem Ehepaar Gewalt eingeschlichen hat, dann ist es egal, von wem sie ausgeht.“ Dabei bezieht er sich selbst mit ein. Nach und nach werden die gegenseitigen Lügen enttarnt und die Desillusion ist groß. Schließlich erfahren die Theaterbesucher, dass Lisa tatsächlich Gilles umbringen wollte und er keineswegs einen Gedächtnisverlust erlitten hat. Die Frage, ob Liebe möglich ist oder in Dumpfheit erstickt, wenn man sie nicht manipuliert und durchaus zweifelhaft lebendig hält, muss der Theaterbesucher selbst beantworten. Eine Antwort darauf gibt es im Stück nicht. Wie es schließlich in der Beziehung von Lisa und Gilles weitergeht, lässt Autor Schmitt offen.

Großes Lob und viel Applaus gab es für die beiden Schauspieler Rosa Maria Paz und David Köhne, welche ihre schwierigen Rollen im gegenseitigen intensiven Schlagabtausch zwischen Wunschbild und Realität konsequent meisterten und lange das Publikum im Unklaren ließen.

Königliches Kurtheater aufmerksam begutachtet

Königliches Kurtheater aufmerksam begutachtet

Schwarzwälder Bote: Von Götz Bechtle30.09.2016 – 19:25 Uhr
 
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Eine Theatervorstellung war nicht das Ziel des Kreises der Freunde und Förderer der Denkmalstiftung Baden-Württemberg, sondern das Gebäude des Königlichen Kurtheaters Bad Wildbad selbst, das mit Mitteln der Denkmalstiftung wiederhergestellt worden war. Foto: Bechtle Foto: Schwarzwälder-Bote