Wieder strahlende Gesichter dank des Schecks

Wieder strahlende Gesichter dank des Schecks

Von Götz Bechtle  06.08.2016 – 13:34 Uhr
 
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Übergabe des Schecks durch Marion Caspers-Merk an Thomas Käppler (links) und Eckhard Peterson. Foto: Bechtle Foto: Schwarzwälder-Bote

Bad Wildbad. Große Freude herrschte im Königlichen Kurtheater in Bad Wildbad. Für den seit wenigen Tagen neu installierten Bühnenvorhang überreichte Lotto-Geschäftsführerin und Beiratsmitglied Marion Caspers-Merk dem Förderverein Kurtheater einen symbolischen Stiftungsscheck über 15 000 Euro von der Glücksspirale Baden-Württemberg.

Insgesamt, so Caspers-Merk, habe Lotto Baden-Württemberg seit 2000 in verschiedenen Tranchen für die Restaurierung des Kurtheaters rund 800 000 Euro gesponsert. Letztmals 250 000 Euro im Jahr 2012 für Bühne, Zuschauerraum und Foyer.

Übers ganze Gesicht strahlten Thomas Käppler, Vorsitzender des Fördervereins Kurtheater, und Ehrenvorsitzender Eckhard Peterson. „Jetzt ist es ein richtiges Theater“, meinte Caspers-Merk, schließlich müsse eine Theaterbühne einen richtigen Vorhang haben. „Die 15 000 Euro sind ein Zeichen der Unterstützung und der Würdigung der kulturellen Vielfalt im Land“, so Caspers-Merk. Sie unterstrich dabei, dass die Allgemeinheit der große Gewinner der staatlichen Lotterien sei. Sowohl Käppler als auch Peterson bedankten sich für die langjährige Unterstützung bei der Renovierung des Kurtheaters, das jetzt voll bespielbar ist – allerdings wie früher nur in der wärmeren Jahreszeit, da keine Heizungsanlage vorhanden ist.

Seitliche Schals

Caspers-Merk erläuterte, dass die Hälfte der Einnahmen durch die Lottospieler den erfolgreichen Spielern zugutekomme, die andere Hälfte jedoch für Soziales (elf Prozent), Denkmalpflege (19 Prozent), Kunst und Kultur (25 Prozent) sowie Sport (45 Prozent) ausgegeben werde.

Wer bislang das Theater besuchte, stellte fest, dass zwar rechts und links der Bühne ein Stück eines Bühnenvorhangs zu sehen war, so Peterson, es sich aber lediglich um zwei seitliche Schals handelte. Denn nach dem Zweiten Weltkrieg wurde der größte Teil des damals rund 50 Jahre alten Vorhangs abgetrennt, um daraus in den extrem kalten Wintern Kleidungsstücke für Bedürftige zu schneidern. Lediglich die Draperie im oberen Bereich sowie die beiden Schals blieben erhalten.

Der neue goldfarbene Bühnenvorhang wurde in der Firma Gerriets in Umkirch bei Freiburg gefertigt.

Gerriets Vorhänge findet man unter anderem in der Metropolitan Opera in New York, im Bolschoi-Theater in Moskau, in der Dresdner Semperoper und im Royal Opera House in London ebenso wie auf der Showbühne des Kreuzfahrtschiffs Queen Mary 2 – und jetzt natürlich im König­lichen Kurtheater Wildbad.

Nach Rückfrage bei Holger Hoefflin, Teamleiter Verkauf bei Gerriets, besteht der rund 100 Quadratmeter große und 60 Kilogramm schwere Vorhang aus schwer entflammbarem Baumwollvelours und wird entsprechend den Vorschriften des Denkmalschutzes nicht mit einem Elektromotor bewegt, sondern wie früher mit einem Hanfseil per Handzug.

Überdeckung fehlt noch

Das Königliche Kurtheater besticht durch den Charme seiner Architektur, in der sich Stilelemente der Renaissance und des Barock mischen – der neue Vorhang ergänzt dies aufs Beste. Allerdings, so Käppler, fehle noch eine mobile Überdeckung des Orchestergrabens, die rund 10 000 Euro kostet und eventuell im kommenden Jahr entstehen soll. Schließlich gebe es im Kurtheater mehr Schauspiele als Opern. Auch eine Tonanlage für rund 15 000 bis 20 000 Euro fehle noch.

Auch nach dem Rossini-Festival gibt es ein Programm (www.kurtheater.com) mit Kabarett, Dresdner Salondamen, Theater (Kleine Eheverbrechen), dem Journalisten, Publizisten und Nahostexperten Ulrich Kienzle, dem Kabarettisten, Satiriker und Autor Uli Keuler sowie dem Südwestdeutschen Kammerorchester.

Käppler erinnerte in seinen Dankesworten an bekannte Schauspieler ihrer Zeit wie Fritzi Blum, Frieda Großmüller, Georg Jacobi oder Willy Reichert, die alle auf der Kurtheaterbühne auftraten. Und vor allem an den Intendanzrat und langjährigen Theaterdirektor Peter Liebig, dessen Name heute noch an einem Brunnen, einem Gedenkstein und einem Weg auf dem Sommerberg sowie seinem Grabstein auf dem Uhlandfriedhof zu finden ist.