Rückblick


Ein Himmelfahrtstraum mit „2 Herzen – eine Seele“ im Kurtheater
 
Letzten Donnerstag, 30.Mai, war es im Königlichen Kurtheater in Bad Wildbad endlich soweit.
Jeva und Marija Dudaite standen auf der Bühne. Sie trugen beide das gleiche Kleid, was den Schwestern gut zu Gesicht stand.
Der Anfang ihres Konzerts mit Leonard Cohens Hallelujah zog das Publikum gleich in seinen Bann durch Jevas schönen Mezzosopran und Marijas einfühlsame Klavierbegleitung im wechselvollen Verlauf des Programms. Auch das Lied aus einem Musical eines litauischen Komponisten ließ aufhorchen nebst zwei Walzern von Chopin, brilliant gespielt.
Als die innige Liebesarie der Rusalka von Dvorak erklang, war man zutiefst berührt von der Schönheit der Interpretation.
Dann ein innovativer Vortrag der Pianistin mit einem Stück von Yann Tiersen mit Wellenrauschen aus der Konserve im Hintergrund, um Natureffekte zu erzielen. Man fühlte sich meditativ an Minimalmusic erinnert.
Bei Summertime aus Porgy and Bess von Gershwin war man hingerissen von der flirrenden Atmosphäre, die die Sängerin zauberte, ebenso wie bei der berühmten, hinreißenden Habanera aus Carmen von Bizet.
Man ging auf Wolken in die Pause.
Nach Frank Sinatra weiter zum Tangokönig Astor Piazzolla. Mit einer wundervollen Bearbeitung der Pianistin seiner Histoire de Tango mit rhythmischer Raffinesse.
Bei der Arie von Puccini fühlte man sich in eine andere, bessere Welt entrückt.
Auch wieder interessant, wie die Pianistin sich selbst am Smartphone begleitet, quasi auf zwei Klavieren mit einer kniffligen Improvisation.
Wie man sieht, ein sehr abwechslungsreiches Konzert, das keine Wünsche offen ließ.
Andrea Strittmatter
Duo Bellevue: „Shake hands“ am Samstag, 01.06.2019

Freitag, 17.05.2019, KIWI Kino im Kurtheater-Stummfilm „Das Cabinet des Dr. Caligari“
Doors Reloaded am 11.05.2019 als Auftakt der Saion im Kurtheater


„Doors Reloaded“ rocken das Kurtheater in Bad Wildbad
Bad Wildbad. Eine solche Zeitreise hat das Königliche Kurtheater in Bad Wildbad noch nie erlebt. Die Begeisterungsstürme, die durch den knallvollen Saal fegten, zeigten im historischen Ambiente eine Windstärke, die die Besucher von den Sitzen fegte und die Gänge zur Tanzfläche machte. Eine der einflussreichsten und schillerndsten Bands der 1960er-Jahre war mit ihrem Sound wieder zurück. Mit „Doors Reloaded“ eröffnete das Kurtheater seine Spielzeit – und legte mit dem ungewöhnlichen Stück Musikgeschichte einen fulminanten Start hin.


„Bitte nicht auf die 100 Jahre alten Stühle klettern“ hatte Thomas Käppler, Vorsitzender des Trägervereins, mehr im Scherz und in Erwartung eines schwungvollen Abends gebeten. Dass es zwei Stunden werden würden, in denen Stühle und Boden nicht nur durch die Lautstärke, sondern auch durch die dauerbewegten Gäste vibrierten, hatte er in dieser Form vielleicht nicht vorausgesehen. Den Stühlen hat es nicht geschadet, die durchlauchten Herrschaften, die vor rund 150 Jahren das Theater mit ihrem Besuch beehrten, hätten allerdings nicht wenig gestaunt: Auf ihrer Empore wurde in Gruppen, zu zweit oder alleine gerockt – und auch unten hielt es viele nicht auf den Sitzen. Nicht die schlechteste Idee, denn das Kurtheater wies mangels Heizung recht frische Temperaturen auf.

Die Musik, die von der Bühne kam, war umso heißer. Sie hat nichts von der Anziehungskraft verloren, die sie in den 1960er- und 1970er-Jahren mit ihrer ungewöhnlichen Mischung aus Rock und Pop an die Spitze der Bestsellerlisten brachte und die Zuhörer in Euphorie versetzte. Vor allem der charismatische Frontmann Jim Morrison mit seinen poetischen, rätselhaften Texten faszinierte mit seiner von Geheimnissen umgebenen Aura in einer Zeit, in der in Vietnam Napalm Mensch und Natur zerstörte, der Kalte Krieg immer bedrohlichere Schatten auf das Leben warf und Rassendiskriminierung und Polizeigewalt zur Tagesordnung in den USA gehörten. Morrison, der später in Paris unter ungeklärten Umständen ums Leben kam, wurde zum Sexsymbol und zur Kultfigur. Aber auch Keyboarder Ray Manzarek und Gitarrist Robby Krieger prägen den Sound, in langen Soli wird improvisiert.
Es sind die Gefühle besonders der Jungen dieser zerrissenen Zeit, die die „Doors“ in ihrem teils psychodelischen Klangteppich auffangen und beschreiben. Schon das mit vierfach Platin ausgezeichnete Debütalbum wartet mit Hits wie „The End“ oder „Light my Fire“ auf – die Band trifft den Nerv dieser Jahre: Ein Soundtrack zur drohenden Apokalypse, unheimlich und poetisch zugleich. „Schmerz ist dazu da, uns aufzuwecken. Die Leute versuchen, ihren Schmerz zu unterdrücken. Aber das ist falsch, Schmerz muss man mit sich herumtragen, wie ein Kofferradio. Erst wenn man Schmerzen empfindet, beginnt man, die eigene Stärke zu spüren,“ hat Morrison einmal gesagt.
Von düsterer Schwermütigkeit
„Doors Reloaded“, die Tribute-Band aus Heidelberg, spielte in der klassischen Doors-Besetzung. Authentizität, unterbrochen von gelegentlichen modernen Elementen und Improvisationen, ist ein Hauptanliegen. Eine Zeitreise und doch irgendwie zeitlos, mitreißend, voller Elan aber mit düsterer Schwermütigkeit – das begeisterte ein Publikum, das keineswegs nur aus jenen bestand, die Erinnerungen mitbrachten. Sänger Jürgen Scherb, Gitarrist Artur Loth, Schlagzeuger Ralf Väth und Keyboarder Thomas Langner wurden frenetisch gefeiert.
Anzusehen ist das Ganze auf dem Facebook-Account der Band – ein Video als Mitschnitt des Konzerts wurde im Kurtheater erstellt.


Autor: Gabriele Meyer